Wie regeln das Geldspielgesetz und die ESBK den Markt?
Von Sven Holzmann, Fachautor und Analyst für Geldspielregulierung · · Lesezeit rund 9 Minuten

Wer verstehen will, was ein Casino ohne Lizenz im Schweizer Kontext bedeutet, kommt am Bundesgesetz über Geldspiele nicht vorbei. Dieses Gesetz legt fest, wer überhaupt online Spielbankenspiele anbieten darf, welche Behörde was kontrolliert und warum rein ausländische Anbieter in der Schweiz grundsätzlich aussen vor bleiben. Diese Seite ordnet die rechtliche Grundordnung nüchtern ein, ohne ein bestimmtes Angebot zu bewerten.
Was regelt das Bundesgesetz über Geldspiele seit 2019?
Das Bundesgesetz über Geldspiele (Geldspielgesetz, BGS; SR 935.51) vom 29. September 2017 ist seit dem 1. Januar 2019 in Kraft. Es bündelt Online- und Offline-Glücksspiel in einem einzigen Erlass und löste damit zwei ältere Gesetze ab: das Spielbankengesetz vom 18. Dezember 1998 und das Lotteriegesetz von 1923. Vor dem BGS war das Online-Spiel in der Schweiz nicht eigenständig geregelt; Spielerinnen und Spieler bewegten sich faktisch in einer Grauzone bei ausländischen Anbietern.
Das Geldspielgesetz verfolgt mehrere Hauptziele, die im Gesetzestext verankert sind. Dazu gehören der Schutz der Bevölkerung vor den Gefahren des Geldspiels, die sichere und transparente Durchführung der Spiele sowie die Verwendung eines Teils der Bruttospielerträge zugunsten der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung. Die rechtlichen Grundlagen sind auf den Seiten der zuständigen Behörden und in der amtlichen Gesetzessammlung öffentlich einsehbar (siehe Fedlex zum Geldspielgesetz und ESBK zu den Rechtsgrundlagen).

Eine zentrale Neuerung war, dass das BGS die bisher verbotene Durchführung von Online-Spielbankenspielen erstmals erlaubte. Damit konnten konzessionierte Spielbanken überhaupt erst legale Online-Plattformen betreiben. Diese Öffnung ist eng an Bedingungen geknüpft, die im nächsten Abschnitt beschrieben werden.

Die demokratische Legitimation des Gesetzes ist gut dokumentiert. Am 10. Juni 2018 stimmten 72,9 Prozent der Stimmenden für das neue Geldspielgesetz. Die deutliche Mehrheit gilt als wichtiger Hintergrund dafür, dass die restriktive Marktöffnung mit Inlandsvorbehalt politisch breit abgestützt ist.
Wer darf in der Schweiz online Spielbankenspiele anbieten?
Der Kernsatz der Schweizer Regulierung lautet: Nur bestehende, landbasierte Schweizer Spielbanken mit einer Konzessionserweiterung des Bundesrats und einer Bewilligung der ESBK dürfen online Spielbankenspiele anbieten. Rein ausländische Anbieter können in der Schweiz grundsätzlich keine Online-Casino-Konzession erhalten, unabhängig davon, wie etabliert ihre Heimatlizenz auch sein mag. Genau dieser Punkt erklärt, warum so viele Angebote als Casino ohne Lizenz in der Schweiz beschrieben werden, obwohl sie im Ausland sehr wohl reguliert sind.
Das Konzessionssystem ist zweistufig aufgebaut. Zuerst erteilt der Bundesrat die Spielbankenkonzession. Danach genehmigt die ESBK die Konzessionserweiterung für den Online-Betrieb sowie die einzelnen Spiele. Die Erweiterung ist nicht automatisch in der Grundkonzession enthalten, sondern muss separat beantragt und geprüft werden. Wer eine Spielbank betreiben will, muss zudem einen guten Ruf nachweisen, über ausreichend Kapital verfügen und ein umfassendes Sozialschutzkonzept sowie strenge Massnahmen gegen Geldwäscherei vorlegen.

Der Bundesrat hat am 29. November 2023 die neuen Spielbankenkonzessionen für den Zeitraum 2025 bis 2044 erteilt. Anders als die alten Konzessionen, die eine Laufzeit von sechs Jahren hatten und Ende 2024 ausliefen, gelten die neuen Konzessionen 20 Jahre. Insgesamt empfahl die ESBK dem Bundesrat 22 Konzessionen, davon 12 vom Typ B und 10 vom Typ A. Aktuell sind rund ein Dutzend Anbieter mit einer Online-Konzession tätig. Welche Anbieter konkret auf der massgeblichen Liste stehen, behandelt die Seite zu den konzessionierten Online-Spielbanken ausführlich.
Welche Behörden sind für welche Spiele zuständig?
Die Schweiz teilt die Aufsicht über das Geldspiel auf mehrere Behörden auf. Diese Trennung ist wichtig, weil sie bestimmt, wer für Casinospiele und wer für Lotterien oder Sportwetten verantwortlich ist.
Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK)
Zuständig für Spielbanken und Online-Casinospiele. Sie ist administrativ dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) zugeordnet, agiert aber als unabhängige Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörde. Sie erteilt Konzessionen, führt Inspektionen durch, veranlagt die Spielbankenabgabe und bekämpft das illegale Geldspiel.
Interkantonale Geldspielaufsicht (Gespa)
Zuständig für die sogenannten Grossspiele, also Lotterien, Sportwetten und überregionale Geschicklichkeitsspiele. Die Gespa hiess bis Ende 2020 Comlot.
Bundesamt für Justiz (BJ)
Bietet den übergeordneten departementalen Rahmen und veröffentlicht Merkblätter und Informationen zum Geldspielgesetz.

Für den Bereich Casino ohne Lizenz ist vor allem die ESBK relevant. Sie betreibt die Durchsetzung gegen illegale Online-Angebote, etwa über die Netzsperren und die Sperrliste nach Art. 86 BGS. Weiterführende Angaben zur Behörde finden sich direkt bei der Eidgenössischen Spielbankenkommission und bei der Interkantonalen Geldspielaufsicht Gespa.
Wie gross ist der konzessionierte Schweizer Markt?
Die offiziellen Marktzahlen zeigen, dass sich der legale Online-Markt seit der Öffnung 2019 deutlich entwickelt hat. Laut dem Tätigkeitsbericht der ESBK erzielten die konzessionierten Schweizer Online-Casinos 2024 einen Bruttospielertrag von rund 310 Millionen CHF, ein Plus von 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im selben Zeitraum sank der landbasierte Bruttospielertrag um 5,8 Prozent auf rund 588 Millionen CHF, aufgeteilt in etwa 485 Millionen CHF aus Geldspielautomaten und 103 Millionen CHF aus Tischspielen.
Die Spielbankenabgabe belief sich 2024 auf rund 358 Millionen CHF, die in den Ausgleichsfonds der AHV und IV flossen. Diese Zahlen verdeutlichen einen klaren Trend von der terrestrischen zur Online-Nutzung und zeigen zugleich, warum die Schweiz ein Interesse daran hat, das illegale Angebot zurückzudrängen.

Überblick der wichtigsten Eckdaten
- BGS in Kraft seit 1. Januar 2019, beschlossen am 29. September 2017
- Volksabstimmung am 10. Juni 2018 mit 72,9 Prozent Zustimmung
- Vorgänger: Spielbankengesetz von 1998, erste landbasierte Lizenzen 2002
- Neue Konzessionsperiode 2025 bis 2044, 22 Konzessionen (12 Typ B, 10 Typ A)
- Online-Bruttospielertrag 2024 rund 310 Millionen CHF
Wie sich aus der rechtlichen Grundordnung der konkrete Status für einzelne Spielerinnen und Spieler ableitet, behandelt die Seite zum rechtlichen Status der Spieler. Wer einen Überblick über das gesamte Thema sucht, findet ihn in der Einstiegs-Roadmap zu Casino ohne Lizenz.
Hilfe bei problematischem Spielverhalten
Geldspiel kann zu problematischem Verhalten führen. In der Schweiz erreichen Sie die nationale Helpline von SOS Spielsucht rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 0800 040 080. Weitere Informationen bieten SOS Spielsucht und Sucht Schweiz.
Über den Autor
Sven Holzmann beschäftigt sich seit über zwölf Jahren mit der Regulierung von Online-Geldspielen im deutschsprachigen Raum, mit besonderem Fokus auf das Schweizer Geldspielgesetz und die Aufsichtspraxis von ESBK und Gespa. Er analysiert die rechtlichen Rahmenbedingungen, Netzsperren und Fragen des Spielerschutzes und übersetzt komplexe juristische Sachverhalte in verständliche Texte für Verbraucherinnen und Verbraucher. Mehr über Sven Holzmann.
Geschrieben von der Redaktion „Casino Ohne Lizenz”.