Welcher rechtliche Status gilt für Spieler in der Schweiz?
Von Sven Holzmann, Fachautor und Analyst für Geldspielregulierung · · Lesezeit rund 8 Minuten

Die wohl häufigste Frage zum Thema Casino ohne Lizenz lautet: Mache ich mich als Spielerin oder Spieler strafbar? Die Antwort ist differenzierter, als viele Webseiten suggerieren. Das Schweizer Geldspielgesetz richtet sich in erster Linie gegen die Anbieter, doch das bedeutet nicht, dass das Spiel bei nicht bewilligten Casinos risikofrei ist. Diese Seite trennt die rechtliche Lage des Anbieters von der Lage der Spielenden und stützt sich dabei auf die offizielle Position der Aufsichtsbehörde.
Gegen wen richtet sich das Geldspielgesetz?
Das Bundesgesetz über Geldspiele richtet sich primär gegen die Anbieter, nicht gegen einzelne Spielerinnen und Spieler. Der Betrieb eines Online-Casinos ohne Konzession der ESBK mit erkennbarem Schweiz-Bezug ist strafbar und kann mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden. Auch die Werbung für solche nicht bewilligten Angebote ist verboten und strafbar. Diese Stossrichtung ergibt sich aus der Logik des Geldspielgesetzes und der Regelung durch die ESBK, das den legalen Markt schützen und das illegale Angebot zurückdrängen soll.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem Betreiben eines illegalen Angebots und dessen Nutzung. Während das erste klar unter Strafe steht, ist die zweite Konstellation in der Praxis anders gelagert, wie der nächste Abschnitt zeigt.
Werden Spieler in der Praxis bestraft?
In der Praxis werden Spielerinnen und Spieler in der Regel nicht strafrechtlich verfolgt. Es gibt bislang keinen dokumentierten Fall, in dem eine in der Schweiz wohnhafte Person allein wegen der Nutzung eines ausländischen Casinos über einen VPN belangt wurde. Die Nutzung eines VPN ist in der Schweiz für sich genommen legal und nicht verboten.
Diese faktische Straflosigkeit der Spielenden sollte allerdings nicht mit einer Erlaubnis verwechselt werden. Sie bedeutet nicht, dass der Staat das Spiel bei nicht bewilligten Anbietern gutheisst, und sie bietet keinen Schutz, wenn Probleme mit dem Anbieter selbst auftreten. Genau an diesem Punkt setzt die offizielle Position der Aufsichtsbehörde an.

Was bedeutet die ESBK-Position auf eigene Gefahr?
Die Eidgenössische Spielbankenkommission formuliert in ihren öffentlichen Informationen klar, dass wer nicht bewilligte Angebote nutzt, auf eigene Gefahr spielt. Diese knappe Formel hat konkrete Folgen, die Spielende kennen sollten. Sie sind direkt der Grund, warum das Spiel bei einem Casino ohne Lizenz kein gleichwertiger Ersatz für ein konzessioniertes Angebot ist.
- Es greifen keine Sozialschutzmassnahmen, wie sie konzessionierte Anbieter gewährleisten müssen.
- Die Auszahlung allfälliger Gewinne ist nicht garantiert.
- Einsätze und allfällige Gewinne können im Rahmen eines Strafverfahrens gegen den Anbieter eingezogen werden.
- Die ESBK kann in solchen Fällen nicht helfen; Spielenden bleibt nur der zivilrechtliche Weg gegen den Anbieter.

Diese Punkte zeigen, dass das eigentliche Risiko weniger in einer Strafverfolgung der Spielenden liegt als vielmehr im Wegfall jeglicher lokaler Absicherung. Die konkreten Risiken bei nicht lizenzierten Anbietern werden in einem eigenen Beitrag vertieft. Die offizielle Position lässt sich direkt bei der ESBK in den Fragen und Antworten sowie über das Bundesamt für Justiz nachvollziehen.
Wie werden Gewinne steuerlich behandelt?
Gewinne aus legalen, von der ESBK konzessionierten Schweizer Online-Casinos sind steuerfrei. Diese Steuerfreiheit ist ein konkreter Vorteil des regulierten Marktes. Bei nicht bewilligten Anbietern ist die steuerliche Lage hingegen unklar und nicht vergleichbar abgesichert, da sich diese Anbieter ausserhalb des Schweizer Regelwerks bewegen.
Wer Wert auf Rechtssicherheit auch in steuerlicher Hinsicht legt, findet im konzessionierten Markt klare Verhältnisse. Welche Anbieter dazu zählen und wie man eine Konzession selbst prüft, behandelt die Seite zu den konzessionierten Online-Spielbanken. Die rechtliche Grundlage des Themas lässt sich zudem im Gesetzestext auf Fedlex nachschlagen.

Welche Rolle spielt eine bestehende Spielsperre?
Ein häufig unterschätzter Aspekt betrifft Personen, die sich für eine Spielsperre bei konzessionierten Schweizer Spielbanken entschieden haben. Bei Anbietern ohne Schweizer Lizenz greifen diese Sperren technisch nicht. Wer also eine Selbstsperre hat und zu einem nicht bewilligten Anbieter ausweicht, hebelt damit einen bewusst gewählten Schutzmechanismus aus. Der legitime Weg im Umgang mit einer Sperre wird auf der Seite zur Spielsperre und ihrer Aufhebung beschrieben.

Insgesamt zeigt sich: Der rechtliche Status der Spielenden ist weniger von einer drohenden Strafe geprägt als von einer fehlenden Absicherung. Eine sachliche Gesamtschau des Themas bietet die Roadmap zu Casino ohne Lizenz.
Hilfe bei problematischem Spielverhalten
Wenn das Spielen zur Belastung wird, gibt es in der Schweiz Unterstützung. Die nationale Helpline von SOS Spielsucht ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 0800 040 080 erreichbar. Informationen und Beratung finden Sie bei SOS Spielsucht und Sucht Schweiz.
Über den Autor
Sven Holzmann beschäftigt sich seit über zwölf Jahren mit der Regulierung von Online-Geldspielen im deutschsprachigen Raum, mit besonderem Fokus auf das Schweizer Geldspielgesetz und die Aufsichtspraxis von ESBK und Gespa. Sein Schwerpunkt liegt auf der sachlichen Einordnung von Angeboten ausländischer Anbieter ohne Schweizer Konzession und den damit verbundenen Risiken. Mehr über Sven Holzmann.
Verfasst vom Team von „Casino Ohne Lizenz”.